Es gilt das gesprochene Wort !
Oberbürgermeister Hans Schaidinger, Stadt Regensburg:
"Direkter Zugang zu internationalem Luftverkehr für Ostbayerns Wirtschaft"
Der Wettbewerb der Regionen ist ein zentrales Merkmal der fortschreitenden europäischen Integration und internationalen Arbeitsteilung. Regionen konkurrieren untereinander um den Erhalt oder die Neuansiedlung attraktiver Arbeitsplätze, um gut ausgebildete Arbeitskräfte, kompetente Manager und technologischen Vorsprung. Eine Grundvoraussetzung zum erfolgreichen Bestehen in diesem Wettbewerb ist die Bereitstellung konkurrenzfähiger Standortbedingungen.
Ostbayern bietet eine ganze Reihe von Vorzügen, auf die wir zu Recht stolz sein können: einen Wirtschaftsraum mit 2,3 Mio. Einwohnern und etwa 1,1 Mio. größtenteils hoch qualifizierten Arbeitsplätzen, jährlich ca. 2.200 Universitäts- und 900 Fachhochschulabsolventen sowie ein engmaschiges Netzwerk an öffentlichen und privaten Dienstleistern. Produkte der ostbayerischen Autoindustrie, der Elektrotechnik oder des Maschinenbaus genießen weltweit hohes Ansehen. Auch die Bereiche Biotechnologie, Informationstechnik, Glas- und Porzellanherstellung sowie Logistik gehören zu den vielbeachteten Aktivposten unserer einheimischen Wirtschaft. Durch die Grenzöffnung rückt unsere Region zunehmend von einer Randlage in das Zentrum Europas. Damit eröffnen sich neue Aufgaben und Chancen: Ostbayern erhält eine Scharnier- und Brückenfunktion und eine Schlüsselfunktion als logistische Drehscheibe für den Warenverkehr mit den mittelosteuropäischen Staaten.
Zwar dominieren derzeit im Geschäftsreiseverkehr noch Ziele innerhalb Deutschlands, die ostbayerische Wirtschaft richtet sich aber immer mehr international aus und unterhält zu fast allen Teilen der Erde intensive Geschäftskontakte. Gleichzeitig hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass die internationale Ausrichtung der ostbayerischen Wirtschaft keine Einbahnstraße sein kann. So forcieren mehrere Unternehmen aus der Region gezielt ein Engagement im Ausland, weil sie wissen, dass eine Eroberung der Märkte dort häufig erst durch eine Präsenz vor Ort möglich ist. Wer heute und in Zukunft unternehmerisch erfolgreich sein will, muss über die nationalen Grenzen hinaus denken und handeln.
Angesichts der positiven Entwicklung der regionalen Wirtschaft und dem damit einhergehenden Anstieg der In- und Auslandskontakte bedeutet die bislang fehlende Fernbahnanbindung an den Flughafen München eine schwere Hypothek für Ostbayern. Während München künftig vielleicht sogar mit einem Transrapid-Shuttle an den Flughafen angebunden werden soll, müssen sich aus Richtung Norden kommende Reisende mit unattraktiven Umsteigebeziehungen über den Hauptbahnhof München oder Bustransfers über Freising oder Neufahrn/Obb. begnügen. Explizit fordert lediglich der Regionalplan der Region Regensburg einen direkten Schienenanschluss an den Flughafen München (Ziel B IX 4.1.3), mit dem deutlichen Hinweis darauf, dass nur eine Direktanbindung die wirtschaftlichen Ausstrahlungseffekte des Flughafens hinreichend nutzen und eine nachhaltige Stärkung der Standortqualität für das Oberzentrum Regensburg und die Region angemessen gewährleisten kann.
Im Entwurf des Bundesverkehrswegeplans 2003 ist diese Direktanbindung mit keinem Wort erwähnt. Dies bedeutet eine klare Benachteiligung unserer Region und eine nicht hinnehmbare Einschränkung der Wettbewerbsfähigkeit Ostbayerns. Dabei setzt auch das Landesentwicklungsprogramm Bayern mit dem Prinzip der "dezentralen Konzentration" auf eine Stärkung der einzelnen Teilräume, die mit umweltgerechten und leistungsfähigen Verkehrssystemen miteinander verbunden und gestärkt werden sollen.
Ein hoher Anteil der Betriebe aus der Region nutzt mit steigender Tendenz das Verkehrsmittel Flugzeug insbesondere für Geschäftsreisen, aber auch für den Gütertransport. Der gegenwärtig präferierte Verkehrsträger für die Verbindung zum Flughafen ist die Straße. Aber bereits eine Studie aus dem Jahr 1990, im Rahmen derer etwa 450 Betriebe im Raum Regensburg befragt wurden, hat ergeben, dass sich durch eine direkte Fernbahnanbindung die Attraktivität des Flughafens München für die Mehrheit der Befragten deutlich erhöhen würde. Dadurch würde sich auch der Modal - Split klar in Richtung Bahnbenutzung verschieben. Für die Geschäftsreisenden ergäbe sich dann ein bequemer, pünktlicher und sicherer Zugang zum Münchner Flughafen ohne das leidige Parkplatzproblem. In diesem Zusammenhang muss außerdem darauf hingewiesen werden, dass für die Zukunft mit einer weiteren Zunahme des Straßenverkehrs zu rechnen ist. Das heißt im Klartext: mehr Staus, mehr Zeitverlust und damit höhere Kosten. Das sollten wir unseren Unternehmen ersparen. Der Flughafen München hat über Ostbayern hinaus aber auch eine Erschließungsfunktion für die nördlich anschließenden Teile der neuen Bundesländer und der Tschechischen Republik, so dass im Zuge der EU-Osterweiterung zunehmend Verkehrsströme in Richtung Flughafen München - Franz Josef Strauß gelenkt werden.
Nachdem der ostbayerische Raum ohnehin Jahrzehnte lang durch den "Eisernen Vorhang" strukturpolitische Nachteile hinnehmen musste, sollte ihm nun durch die Erstellung dieser eminent wichtigen Verkehrsinfrastruktur zumindest Chancengleichheit im Wettbewerb der Regionen eingeräumt werden. Ostbayern hat mit seiner positiven Entwicklung in der Vergangenheit gezeigt, dass es die Chancen, die ihm geboten werden, aufgreift und in wirtschaftliche Erfolge ummünzt. Um diesen Weg auch in Zukunft erfolgreich beschreiten zu können, muss die Wirtschaft im Norden des Flughafens München ähnlich gute Zugangsmöglichkeiten zu diesem Tor zur Welt wie die südlich, östlich und westlich angrenzenden Regionen haben. Erst dann kann von einer Chancengleichheit und fairen Wettbewerbsbedingungen gesprochen werden, die dem Ziel, in Bayern gleichwertige Lebens- und Arbeitsbedingungen zu schaffen, entsprechen. |