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Beitrag von Herrn Oberbürgermeister Josef Deimer,
Stadt Landshut

Schwerpunkt:
Bisherige Arbeit in der Initiative Strategische Überlegungen zur Flughafen-Anbindung

Es gilt das gesprochene Wort!

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Meine sehr geehrten Damen und Herren,

als wir von fast genau zwei Jahren erneut die schon seit der Flughafen-Planung existierenden Idee eines Fernbahn-Anschlusses für den Münchner Airport aufgriffen, hat man uns da und dort ein wenig belächelt. Es gebe, so war auch von offizieller Seite zu hören, keine Potenziale für eine Anbindung des Flughafens an die Fernbahn München - Landshut - Regensburg - Hof und damit keinen Bedarf. Wir hielten dies schon damals für wenig fundiert und betrachteten es als verkehrspolitischen Anachronismus, das neuntgrößte Luftdrehkreuz Europas auf der Schiene nur aus südlicher Richtung und hier wiederum über zwei relativ langsame S-Bahn-Linien zu erschließen. Schon damals gaben uns jene Zahlen recht, die besagten, dass die Flugreisenden aus den Hauptrichtungen Passau, Straubing, Regensburg und Hof die Schiene nur zu einen verschwindend geringen Anteil benutzen. Wenn aus ganz Bayern rund 30 Prozent mit der Bahn zum Flughafen anreisen, sind es aus nördlicher und nordöstlicher Richtung gerade einmal vier Prozent. Das verwundert den Praktiker nicht wirklich: Der Flughafenbus 635 vom Freisinger Bahnhof kann noch so schnell und attraktiv geführt werden: Ein gebrochenes System hat immer Akzeptanz-Probleme bei den Benutzern. Das Hauptkriterium für den Entscheidung, welches Verkehrsmittel benutzt wird, hängt immer von der Frage ab, ob der Fahrgast eine durchgehende Verbindung hat oder nicht. Wer den Modal Split zu Gunsten der Schiene verändern und damit im Sinne der Nachhaltigkeit der Umwelt Vorfahrt einräumen will, muss ein geschlossenes System anbieten.

Nach unserer Pressekonferenz am 21. Juli 1999 am Flughafen München waren wir über zwei Dinge erstaunt:

  • Das große Medien-Interesse, das sich in fast 50 Veröffentlichungen allein in den Printmedien niederschlug und
  • das ungewöhnlich enge Zusammenstehen einer Region zwischen Hof, Passau und Landshut unter Einschluss des Flughafens München.

Diese Einigkeit unter mehr als 50 Städten, Landkreisen, Regionalen Planungsverbänden, Kammern, Gewerkschaften und sonstigen wichtigen Organisationen, die ja zuweilen divergierende Auffassungen haben, aber in der Frage des Flughafen-Anschlusses an einem Strang ziehen, war unser größter Trumpf. Das nahlose Zusammenstehen von Repräsentanten aus drei Regierungsbezirken hat bei all unseren Gesprächspartnern beeindruckt. Ob dies im Bundes-Verkehrsministerium in Berlin war, im Dialog mit dem bayerischen Wirtschaftminister Dr. Otto Wiesheu oder in den Gesprächen mit Vertretern der Deutschen Bahn AG aus Frankfurt: Überall zeigte man sich vom regions- und parteiübergreifenden Einstehen für ein wichtiges Projekt der Infrastruktur beeindruckt. Mein Appell lautet an dieser Stelle: Stehen wir auch weiter unbeirrt zusammen. Wir haben zwar in den vergangenen knapp zwei Jahr viel erreicht. Doch die Flughafen-Anbindung ist noch nicht verwirklicht und mit der Diskussion um die Interregio-Linie 25 hat uns ein weiteres Aufgabenfeld beschert, das für die Region von eminenter Bedeutung ist und mit dem Schienen-Anschluss für den Flughafen in direktem Zusammenhang steht.

Wenn wir uns zurück erinnern, stand am Anfang der Zweifel am Bedarf und der Sinnhaftigkeit einer landesplanerischen Überprüfung schlechthin. Heute stehen wir kurz vor der Einleitung eines Raumordnungs-Verfahrens in das auch die Initiative "Pro Marzlinger Spange" einbezogen wird. Dank zu sagen gilt es an dieser Stelle allen, die mitgeholfen haben, das in der Pressekonferenz im Juli 1999 postulierte Ziel zu erreichen. Ganz besonders danke ich der Frau Kollegin Dr. Seelbinder und dem Kollegen Schaidinger, die sich für etliche Termine zur Verfügung gestellt haben, dem Arbeitskreis und allen anderen Helferinnen und Helfern.

Aber wie gesagt: Wir sind noch nicht am Ziel und wir werden das Projekt bis zum ersten Spatenstich begleiten um sicherzustellen, dass es auch zügig weiter verfolgt wird. Dafür haben wir gute Gründe. Die Potenzial-Analyse ist zwar noch nicht vollständig fertig gestellt. Aus den ersten Untersuchungen, die wir intensiv begleitet haben, dürfen wir jedoch auf ein jährliches Potenzial von rund 1 Million Reisenden schließen. Wir gehen weiter von einem Zuwachs an Einwohnern im Initiativgebiet aus und stehen an der Schwelle zu einem rasanten Steigflug des Airports. Der Geschäftsführer der Flughafen München GmbH, Herr Walter Vill, wird uns sicher Weiterführendes dazu berichten können.

Klar ist jedoch schon jetzt: Wenn München neben Frankfurt zum zweiten Luft-Drehkreuz in Deutschland ausgebaut werden soll - und die Fakten kündigen sich mit der regen Bautätigkeit am Terminal 2 bereits sehr deutlich an - werden wir ganz neue Verkehrsströme bekommen. Dann gibt es neue internationale Flüge mit attraktiven Direkt-Verbindungen. Dieser Effekt zieht zusätzliche Fluggäste auch ganz Bayern und damit natürlich auch aus dem Initiativ-Gebiet an. Es wird mehr Ein- und Aussteiger, mehr Begleiter und Besucher und es wird, worüber wir alle froh sind, auch mehr Beschäftigte am Flughafen geben.

Dies sind zusätzliche Potenziale, die über die Autobahn A 92 und das Straßennetz in der Region nicht mehr abgewickelt werden können. Wenn man so will, haben wir damit eine Sonder-Situation, die auch besondere Maßnahmen erfordert. Deshalb geht unsere Botschaft von hier an die Bundesrepublik Deutschland, den Freistaat Bayern, die Deutsche Bahn AG und die Flughafen München GmbH, das Projekt nicht nur wohlwollend, sondern mit erhöhtem Nachdruck voran zu treiben. Die Autobahn A 92 wird nicht mehr viele Zuwächse aufnehmen können, und wir alle wollen Verkehrsströme umweltgerecht lenken.

Wenn der Fughafen München mehr internationale Verbindungen anbietet, wird er auch für die Wirtschaft in unserem Raum interessanter und der Einzugsbereich einer Fernbahn-Anbindung für ansiedlungswillige Firmen. Eines bedingt und befruchtet das andere. Es ist nur wichtig, diese Synergieeffekte in der für unsere Räume richten Weise auszunutzen. Wir wissen von den Kammern und den Vertretern der Wirtschaft, wie sehr von ausländischen Geschäftspartnern die jetzige Anbindung des Flughafens an die Regierungsbezirke Oberfranken, Oberpfalz und Niederbayern belächelt und mit welchem Nachdruck eine Verbesserung der Situation gefordert wird. Eine direkte, schnelle und attraktive Anbindung an einen Welt-Flughafen ist und bleibt ein handfester Standort-Vorteil. diese Vorzüge wollen und müssen wir nützen - im Interesse der von uns vertretenen Gebiets-Körperschaften und vor allem der Menschen, die in den Räumen leben. Dies gilt aber auch in gleicher Weise für die Frage, ob ein Standort vom Schienen-Personen-Fernverkehr erreicht wird oder nicht.

Dass attraktive und schelle Verbindungen zusätzliche Kunden für ein Verkehrsmittel gewinnen können, hat sich in der Vergangenheit bereits mehrfach bewiesen. Ich denke hier nicht nur an Flughäfen wie Frankfurt, wo den Reisenden gleich zwei Bahnhöfe zur Verfügung stehen. Auch die Bayerische Eisenbahn-Gesellschaft hat in ihrer Fünf-Jahres-Bilanz nachgewiesen, wie erfolgreich das Konzept des Schienen-Personen-Nahverkehrs in Bayern abgewickelt werden konnte. Die neuen Konzepte haben zu deutlichen Steigerungen der Fahrgastzahlen geführt - auch auf Strecken, die von der Deutschen Bahn AG eigentlich schon abgeschrieben waren. Unseren Respekt wollen wir in diesem Zusammenhang auch der Arbeit des bayerischen Wirtschafts- und Verkehrsministeriums auf dem Gebiet des Regionalverkehrs auf der Schiene nicht versagen.

Wir haben eine Vision, die da lautet, in einigen Jahren auf der Schiene ohne Umsteigen in 20 Minuten von Landshut zum Flughafen-Bahnhof zu kommen. Visionen haben manches Mal auch etwas Irreales an sich. Ich erinnere nur an die bereits erwähnte Autobahn A 92 von München nach Deggendorf. Auch diese bezeichneten manche Leute vor Jahrzehnten als Luftschloss. Das Luftschloss ist nicht nur Wirklichkeit geworden, sondern heute aus der Infrastruktur für unseren Raum nicht mehr wegzudenken. Ja, es steht bereits wieder an der Grenze der Kapazität.

Das gleiche werden mir mit dem Flughafen-Anschluss erleben. Wir kämpfen dafür und werden erfolgreich sein, wenn die enge Kooperation in unserer Initiative weiter anhält und vielleicht noch ausgebaut werden kann

 

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