Landshut, den 25. Oktober 2002 Raumordnungs-Verfahren für die Schienen-Anbindung Ostbayerns an den Flughafen München - Marzlinger Spange, Pullinger Spange, Neufahrner KurveIm Namen von mehr als 50 Städten, Landkreisen, Regionalen Planungsverbänden, Kammern, Gewerkschaften aus Niederbayern, der Oberpfalz und dem östlichen Oberfranken nehmen wir zu o. g. Verfahren wie folgt Stellung: I. Grundsätzliche FeststellungenDie Unterlagen zum Raumordnungs-Verfahren sind unvollständig. Es fällt auf, dass sich die konkreten Aussagen allein auf die ökologischen Aspekte und dabei nur auf die unmittelbaren Auswirkungen der jeweiligen Mikrobereiche der Trassen-Alternativen beschränken. Eine Darstellung größerer Zusammenhänge findet nicht statt. Es fehlen vor allem folgende Aspekte:
Eine sachgerechte Beurteilung der Trassen-Alternativen durch die Träger öffentlicher Belange ist daher nicht möglich. Ferner vermissen wir Aussagen zu weiteren Gesichtspunkten:
II. Tatsächliche Potenziale und ökologische Gesamtbilanz"Die politische Zielvorstellung, bei flughafenbezogenen Verkehr einen ÖPNV-Anteil von ca. 40 % zu erzielen, setzt eine hohe Qualität des ÖPNV-Angebotes im Hinblick auf Bedienungshäufigkeit, Reisezeit und Komfort voraus. Eine schnelle und komfortable Anbindung des ostbayerischen Raumes ist deshalb anzustreben." (Prof. Dr.-Ing. Peter Kirchhoff in: "Wirtschaftliche und verkehrliche Auswirkungen des neuen Verkehrsflughafens München auf sein Umland", 1989) Daher sind sämtliche positiven Verlagerungs-Effekte in der ökologischen Gesamtbilanz den kleinräumigen Belastungen gegenüber zu stellen. Überregionaler BezugIm Sinn einer nachhaltigen Entwicklung ist es, zusätzliche Potenziale für den Verkehrsträger Schiene zu erzeugen. Genau hier weist die "Marzlinger Spange" gegenüber den anderen Trassen-Alternativen deutlich positive Merkmale auf. Nur mit einer Anbindung des Flughafens aus östlicher Richtung lassen sich umsteigefreie Verbindungen auch aus den Gebieten südlich und westlich Münchens schaffen. Konkret sind folgende SPFV- und SPNV-Relationen denkbar und sinnvoll:
Mit künftigen Flügelungs-Konzepten, die in Richtung Allgäu durchaus in München-Pasing möglich sind, lässt sich auch die Bedienung des Oberzentrums Freising sicher stellen. Bei durchgebundenen Relationen über die "Marzlinger Spange" können Verkehre über den Flughafen hinaus gebündelt werden. Dem gegenüber enden bei den anderen beiden Trassen-Alternativen alle Zugflügel am Flughafen und werden somit nur vom dem dort entstehenden Ziel- und Quellverkehr frequentiert. Die "Marzlinger Spange" erschließt zusätzliche Fahrgast-Potenziale auch über die Berechnungen von Intraplan hinaus. Regionaler BezugNach den Raumordnungs-Unterlagen ist im Planfall "Marzlinger Spange" eine Durchbindung der Züge von München Hauptbahnhof über den Flughafen nach Ostbayern vorgesehen. Auch das mit diesem Betriebskonzept erreichbare Potenzial wurde in der Analyse von Intraplan nicht berechnet. Bei einer Durchbindung der Züge am Flughafen können über die Ausbaustrecke der Flughafen-S-Bahn S 8 zusätzliche neue attraktive Verbindungen geschaffen und neue Fahrgast-Potenziale nach München Ost erschlossen werden. Gleichzeitig werden der Münchner Hauptbahnhof und die S-Bahn Stammstrecke entlastet. Daher ist zu erwarten, dass sich durch Zusammenführen unterschiedlicher Kunden-Segmente (flughafenbezogen und nicht-flughafenbezogen) das prognostizierte Fahrgast-Aufkommen über die "Marzlinger Spange" gegenüber den vorgenannten Zahlen noch weiter erhöht. Bahnanschluss auch für die Beschäftigten des FlughafensEine überregionale Perspektive ist in besonderem Maße hinsichtlich der wachsenden Zahl von Beschäftigten am Flughafen angebracht. Bei einer steigenden Anzahl von Fluggästen werden die Parkmöglichkeiten für die Mitarbeiter zwangsläufig zurückgedrängt. Flexible Arbeitszeitmodelle machen vielfach die Anreise öfters als ein Mal am Tag erforderlich. Die Zahl der Beschäftigten am Flughafen wird sich von derzeit rund 20.000 bis zum Jahr 2015 auf rund 40.000 verdoppeln. Nur mit einer schnellen und direkten Schienen-Verbindung erschließen sich für Ostbayern und den Flughafen neue Chancen am Arbeitsmarkt und lassen sich bereits bestehende und noch zu erwartende Pendlerströme auf ein umweltfreundliches Verkehrsmittel verlagern. Dadurch wird auch der Siedlungsdruck in den flughafennahen Räumen gemindert. III. Effiziente Betriebs-Abläufe am FlughafenFür die "Marzlinger Spange" ist das Flügelungskonzept zur Anbindung des möglichen Oberzentrums Freising korrekt dargestellt. Bei dem Planfall "Pullinger Spange" und "Neufahrner Kurve" muss von einem Wenden der Züge im Flughafen ausgegangen werden. Nachdem die Magnetschnellbahn die am Flughafen ursprünglich für einen Fernbahnhof vorgesehenen Bauraum beanspruchen wird, stehen für den Schienennah- und -Fernverkehr nur die bisherige Bahnhofs-Kapazität zur Verfügung. Wegen der kurzen S-Bahn-Takte ist ein Wenden im Bahnhof selbst allerdings nicht möglich. Die für die dritte Westanbindung des Flughafens ("Pullinger Spange" oder "Neufahrner Kurve") in jedem Fall erforderliche Wendeanlage wäre bei entsprechender Größe wohl nur außerhalb des Flughafen-Geländes zu errichten und zöge neben erhöhten Investitionen, aufwändigere Betriebsabläufe und entsprechenden Flächenverbrauch nach sich. Dem gegenüber gewährleistet die Schienen-Anbindung aus östlicher Richtung ("Marzlinger Spange") einen effizienten betrieblichen Ablauf am Flughafen. Die Neubau-Projekte der DB AG werden als moderne Durchgangs-Bahnhöfe ohne Wendeanlage geplant (sieht 21-er-Projekte). Sie ermöglicht die gemeinsame Nutzung des bestehenden Flughafen-Bahnhofes für den S-Bahn-Verkehr sowie den Regional- und Fernzugverkehr. IV. FazitDer Freistaat Bayern wird aufgefordert, von den drei im Raumordnungsverfahren zu untersuchenden Trassen-Alternativen die "Marzlinger Spange" als diejenige auszuwählen, die unter allen zu behandelnden Gesichtspunkten die beste Bilanz aufweist und die dem ostbayerischen Raum strukturpolitisch am meisten nützt.
Mit freundlichen Grüßen Peter Barteit |
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